Fällt der Gründungszuschuss den Sparplänen der Regierung zum Opfer?

 

Auf Existenzgründer aus der Arbeitslosigkeit kommen schwere Zeiten zu. Falls das jetzt vom Bundeskabinett beschlossene "Gesetz zur Verbesserung der Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt" tatsächlich ab 1. November 2011 zur Anwendung kommt, müssen sie mit gravierenden Einschnitten rechnen:
  1. Der bisherige Rechtsanspruch auf den Gründungszuschuss soll von einer Ermessensentscheidung der Arbeitsagentur abgelöst werden.
  2. Die erste Förderphase des Gründungszuschusses soll von neun auf sechs Monate verkürzt, dienzweite dafür um drei Monate verlängert werden.
  3. Der Restanspruch auf ALG I wird von 90 auf 150 Tage erhöht. 
  4. Die Kürzungen sollen schon am 1.11.2011 in Kraft treten und nicht – wie ursprünglich geplant am 1.4.2012.
  5. Das Budget dafür soll von bisher  1,8 Mrd. Euro auf 400 Mio. Euro verringert werden.

Diese Sparpläne der Regierung sind wahrlich drastisch, wobei insbesondere der Wegfall des Rechtsanspruchs auf den Gründungszuschuss der Behörderwillkür der Arbeitsverwaltung Tür und Tor öffnet. Als Gründungsberater mit langjähriger Berufserfahrung beschleicht mich ein unangenehmes Gefühl, wenn plötzlich Berater der Arbeitsagentur über die Tragfähigkeit einer Existenzgründung entscheiden sollen.

Über Reinhold Kuffer

Geburtsjahr: 1954 Beruf: Wirtschaftsprüfer / Steuerberater Wohnort: München
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4 Kommentare zu Fällt der Gründungszuschuss den Sparplänen der Regierung zum Opfer?

  1. Rainer sagt:

    Also so recht verstehe ich die Entscheidungen in den letzten Jahren auch nicht – die Einschneidung der Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit ist ein schwerer Schlag für die Leute, die wirklich motiviert sind sich sogar einen eigenen Arbeitsplatz zu schaffen. Ich kenne persönlich keinen Fall, aber die Förderung der Existenzgründung beinhaltet meines Wissens auch Beratungen von Profis, deren Beratungshonorar (ich glaube bis zu 800€ pro Tag) vom Zuschuß gedeckt werden – die meisten Existenzgründer brauchen derartige Hilfe, sonst landen sie ganz schell wieder da, wo sie angefangen haben. Ich hoffe, dass das Potential dieses Ansatzes nicht ganz verschwindet.

  2. Guten Tag Herr Kuffer,
    da haben Sie einen guten Aspekt aufgegriffen. Wie soll ein Fallmanager oder Fallbearbeiter erkennen ob ein Businessplan und der Gründer die notwendige Kompetenz haben um einen erfolgreichen Start in die Existenzgründung hinzulegen. Das bedeutet für mich das entweder alle Fallbearbeiter
    a) ausgebildet werden
    b) neue eingestellt werden mit entsprechender Kompetenz
    c) es einfach die Championmethode gibt – giessen und alle Köpfe die über der Erde ragen abschneiden – so Marke mehr als jeder 5 wird nicht gefördert.
    Wer eine saubere Planung betreibt und zusätzlich auch den Zeitpunkt der Existenzgründung anpassen kann, hat weiter gute Chancen gefördert zu werden.
    Die Fraktion – ich kaufe mir einen Businessplan für 20 € und passe diesen kurz an wird durch das Raster fallen. Ob das nun schade ist soll bitte selbst beurteilen.
    Was interessant an der Kürzung ist z.B. das zwar 157.000 Existenzgründer aus der Arbeitslosigkeit den Gründungszuschuss genutzt haben (von insgesamt 412.000 echten Existenzgründungen laut IfM Bonn) aber davon nur 28.500 ein Gründercoaching beansprucht haben. Das bedeutet das für die Notwendigkeit einer qualifizierten Beratung nach Gründung nur wenig Einsicht besteht.
    Das Gründer aus der Arbeitslosgkeit weniger Zeit haben zur Planung ist bedauerlich verhindert aber keinesfalls potentielle Mitnahmeeffekte bei Angestellten die sich mit der Existenzgründung befassen.
    Veränderung bis zum Ende zu denken scheint mir das größte Problem zu sein, wenn ich diese Veränderungen betrachte.
    Weiterhin viel Erfolg für Sie
    Gruss Klaus Schaumberger

  3. Thomas H. sagt:

    Herr Schaumberger,
    das Problem ist doch, dass bei dieser Methode mit Sicherheit nicht nur die von Ihnen gennante Fraktion durchfallen wird. Die Berater der Arbeitsagentur halte ich nach eigenen Erfahrungen im Großen und Ganzen für völlig ungeeignet, fachkundige Entscheidungen in diesen Bereichen zu treffen.
    Ein derartiges Vorgehen trifft daher bei mir auf Unverständnis, von den drastischen Budgetkürzungen ganz abgesehen.

  4. Jennifer sagt:

    Ganz recht, ein klasse Artikel. Gerade unter der schwarz/gelben Regierung ist so eine Beschneidung absolut unverständlich, sind die Liberalen doch die, die eigene Unternehmer und solche die es werden wollen auch fördern sollten. Eine traurige Entwicklung die auch langfristig schwerwiegende wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen wird.

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